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Düsseldorf Fashion Days: Erstaunlich gute Stimmung

Trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen erwarten die Marken – insbesondere die starken Player der Marktmitte – eine gute Orderrunde Frühjahr/Sommer 2023. Das berichteten die Verantwortlichen im Rahmen der gerade zu Ende gegangenen DFD. Die Trends und Hintergründe. 

 

Für eines der Highlights der DFD-Tage sorgte die Bugatti Holding Brinkmann. Sie feierte am Rheinufer mit rund 400 Gästen ihr 75-jähriges Bestehen (s. Foto links), darunter die prominenten ‚Freunde des Hauses‘: Fußballtrainer Mirko Slomka und Sportmoderator Gerhard Delling. Auch schaulustige Passanten kamen in den Genuss der Modenschau – der Laufsteg war parallel zum Rhein positioniert. Das Wetter spielte auch mit und sorgte für stimmungsvolle Abendsonne. Hinter den Herfordern liegt, wie hinter der gesamten Branche, eine Zeit des Umbruchs.

Hier wie dort wurden u.a. Kollektionen gestrafft und Profile geschärft. „Wir haben Abläufe optimiert, die wir in guten Zeiten nicht hinterfragt hätten“, kann Marketingleiter Stephan Horst der harten Zeit auch Gutes abgewinnen. „Jetzt erfahren wir viel Zuspruch für unsere Kollektion und erwarten eine gute Orderrunde. Dabei kommt uns zugute, dass wir unser Preis-Leistungs-Verhältnis gehalten und mit hoher Lieferzuverlässigkeit gepunktet haben. Wir hatten zum Glück die Kraft zu Investments und sind stark ins Risiko gegangen.“

 

Vorbeugung vor Lieferproblematiken

 

Mark Bezner, Geschäftsführender Gesellschafter von Olymp, zeigt sich mit der aktuellen Orderrunde ebenfalls zufrieden. Renner seien insbesondere die 24/Seven-Performance-Hemden, sowohl als Jersey als auch gewebt. Weitere wichtige Themen: T- und Polo-Shirts, Farbe und Leinen. „Seit April liegen unsere NOS-Abrufe teils bis zu 50 Prozent über dem Vergleichszeitraum 2019, da der Handel die Produktgruppe Hemd zu pessimistisch gewichtet hatte. Nach unerfreulichen Erfahrungen mit Nein-Verkäufen wird jetzt wieder stärker vorgeordert“, analysiert der Olymp-Chef das Marktgeschehen. Warenknappheit und leere Läger – wann gab es das zuletzt in der Modebranche?

Foto: Olymp 24/Seven

„Wir liegen sehr gut im Plus gegenüber dem letzten Jahr und auch das Frühjahr/Sommer 2022 war schon sehr solide“, schließt sich Joseph Reiter, Geschäftsführer des Hemden-Spezialisten Hatico Mode der Saison-Berichterstattung an. Der Trumpf des Unternehmens: die ‚pure Functional‘-Linie. Agenturleiter Peter Heimbach fügt hinzu: „Die Stimmung in Düsseldorf war sehr positiv und es waren viele internationale Händler vor Ort, die wir die letzten fünf Male coronabedingt nicht gesehen haben. Jetzt haben sie dafür aus dem Vollen geschöpft.“

 

Großer Nachholbedarf bei Anlassmode

 

Die Pandemie hatte auch das Unternehmen Digel immens getroffen, das innerhalb von zwei Jahren 45 Prozent seines Umsatzes einbüßte. In diesem Juli liegen die Nagolder aufgelaufen wieder auf einem Pari zu Juli 2019. Die Gründe der schnellen Erfolgs-Rückkehr laut Vorstand Jochen Digel: „Die Ursachen des Einbruchs waren zum einen nicht hausgemacht, zum anderen gab es einen enormen Aufholbedarf beim Thema Anlass. Hier verkaufen wir in einen Markt, der leergefegt ist. Dieser Herbst wird für uns alle wahrscheinlich noch einmal schwer, aber auf das Jahr 2023 blicken wir sehr optimistisch.“ Nicht zuletzt deshalb, da die deutschen Handelspartner aufgrund wirkungsvoller Überbrückungshilfen und eines positiven ersten Halbjahres 2022 liquide seien. Die Order-Favoriten: „Saisonale Anzüge in erdigen Farben von Beige über Braun bis Grün.“

 

Wenig Offenheit für Neues?

Foto: Escapulario.com

Während in Halle 29 ein weitgehend gutes Fazit gezogen wurde, hätte man sich in den Fashn Rooms auf dem Areal Böhler etwas mehr Frequenz gewünscht. Der Handel war demnach noch zu wenig ‚Offen für Neues‘. Denn so lautete das Credo, unter dem erstmals Fashion, der sog. Green Room und Additionals, wie Kosmetik, Öle, Düfte, Wellness-Artikel sowie Papeterie, Kerzen und Co., unter einem Dach präsentiert wurden. So waren die Fashn Rooms auch insgesamt sehr inspirierend inszeniert. Schon der Blick auf den Stand von Escapulario.com weckte gute Laune. Im Angebot: Schmuck aus Brasilien, von Heiligenarmbändchen bis hin zu Holzperlen- und Handyketten, sowie Assouline-Bücher, Gartenzwerge, Wackelkopf-Seemänner oder Holzkugel-Weihnachtssterne. Das alles in einer bunten Farbrange, Naturtöne inklusive. „Man muss etwas fürs Auge bieten“, lautet die Botschaft von Geschäftsführer Thomas Eckert.

Foto: Store 13 – like a bird & friends

Inmitten des Green Rooms stellte Tanja Kliewe-Meyer das Sharing-Konzept ‚Store 13 – like a bird & friends‘ vor. Die Gründerin der ecofairen DOB-Marke Like a bird hat im Frühjahr im Herforder Altstadtkern einen Multilabel-Store für nachhaltige Produkte eröffnet, kombiniert mit Möbeln, Kunst und verkaufsfördernden Events, und dabei die Förderungen genutzt, die es rund um das Programm zur Wiederbelebung der Innenstädte derzeit gibt. „Wir haben in den ersten drei Monaten einen regelrechten Senkrechtstart erlebt.“ Und so bietet Tanja Kliewe-Meyer das Konzept nun anderen (potenziellen) Händlern auf Sharing-Basis an. Heißt konkret: Es gibt einen Kick-Off-Workshop, optional sechsmonatigen Support, und auch der Store-Name kann genutzt werden. Auf Wunsch gehört eine Standortanalyse zum Service, die von Dirk Markus vorgenommen wird, der seit 18 Jahren in der Geschäftsleitung bei der Creditreform tätig ist.